Auf’m Tschamp1)

 

Mogst net amoi

aufegehn auf’d Oim, dosd’ sixt,

dos d’Kiah si gfrein

waunstas in Stoi eine ruaf’n tuast:

„Tschooch2), tschooch, kimm lei“?

Mogst net amoi

Blotan3) auf d’Händ hom, vom heign4),

oba dafia, zua Belohnung Heibischlan5) schmeckn6)?

Mogst net amoi

hinta da Hittn in d’Schwoazba7) geh

und in gonzn Nochmittog nua duat huckn,

rund umadum schaun…

und dia a blaue Zungan hoin?

Mogst net amoi

de Gummla onziagn

und mit’n Emarell8) im Nieslregn

Schwammalan suachn geh?

Mogst net amoi

am Beag aufekraxln, in da Mittogshitz

und am Güpfi ins Toi obaschaun und juchazn,

weu da is Heaz übageht?

Mogst net amoi

deine Fiaß ins uakolte Gletschabochwossa hoitn

und gspian wias nochand pricklt?

Mogst net amoi

auf d’Nocht in da Hittn sitzn

am oidn Tisch, wo olle Plotz hom,

nemman Kuchlhead, wo s’Hoizfeia brennt (riach amoi!)

und an uandlichn Kaisaschmoan oda Schlipfkropfn9) essn,

und mitanand no a Liadl singan?

Mogst net amoi

in da Nocht am Strohsock liagn

und hean wias winden tuat,

ummas Haus und in d’Bam?

Mogst net wenigstens amoi no

in’s Tschamp aufgehen, die Natua genießn,

bevua sa’s komplett eibetonian?

 

Ollaletzte Frog:

Mogst net amoi wissen

was a Kumpf10) is?

 

Elke Gaidatsch-Hamernik, 21. u. 22.8.2009

Gewidmet all jenen,

die hoffentlich noch die Chance haben,

 echte Natur zu erleben

 

 

 

 

 

a Kumpf a Kumpf

_______________________________________________________________________________

1) Tschamp                  Alm in Kals-Lesach, ca. 2000m über dem Meeresspiegel.

                                     Dort habe ich in meiner Kindheit meine Ferien (manchmal bis zu 2 Monaten)

                                     verbracht.

                                     Berge rundherum: Schönleitenspitze, Böses Weibele, Glödis, Ganot und

                                     Schobergruppe.

2) Tscho(oo)ch:           Lockruf für die Kühe, um sie zum Melken in den Stall zu rufen.

3) Blotan:                      Blasen - auf den Händen, vom Heu rechen.

4) heign:                       Heu machen, auch: in’s Heu geh’n.

5) Heibischlan:              Heublumen; gut gegen alle möglichen Beschwerden (Wehwehchen)

6) schmeck’n:               Duft einatmen, riechen

7) Schwoazba:            Osttiroler Ausdruck für Heidelbeeren. In den unendlichen Heidelbeer-Feldern,

                                     hinter der Almhütte, habe ich viele  Stunden zugebracht, habe einfach nur

                                     in der Gegend herumgeschaut, Gedanken schweifen lassen und

                                     mir eine blaue Zunge geholt.

8) Emarell:                    Osttiroler Ausdruck für Schirm (aus der Besatzerzeit?)

9) Schlipfkropfn:          Osttiroler Spezialität, Teigtaschen mit gestampften Kartoffeln gefüllt, braune Butter

                                     und geriebenen Käse drüber – mmmmhhhhhhh!

10) Kumpf:                   Behälter für Wetzstein

                                     die Bergbauern (nicht nur) in Osttirol haben sich, wenn sie „in’s Heu“ gegangen

                                     sind,  den Kumpf (mit ein bisschen Wasser drin) mit einem Gürtel um den Bauch

                                     gebunden, damit sie jederzeit die Sense schärfen konnten.