Burn-Out

oder

Wenn du den Weg nicht mehr siehst

 

Ich suche nur Ruhe.

Friedrich Hölderlin

 

Die nachfolgende Niederschrift ist nach einem, für mich, ziemlich anstrengenden Auftritt als Background-Sängerin einer Metal-Band entstanden. Ja, richtig gelesen, ich hatte, auch noch in meinem Alter ;-), die Möglichkeit etwas Außergewöhnliches zu tun und ich bin den Jungs der Band sehr dankbar, dass ich mitmachen durfte!

Ich habe den großen Unterschied bemerkt, bzw. erkannt, dass es kein Vergleich ist, ob man sich im positiven Sinne verausgabt, mit dem Support Gleichgesinnter und unter dem Beifall des Publikums, oder über Jahre hinweg Höchstleistungen vollbringt, ohne jegliche Anerkennung der Vorgesetzten, Kollegen oder nahe stehender Menschen. Einige Wenige ausgenommen!

Tatsache ist, dass die meisten burnout-gefährdeten Menschen sehr pflichtbewusst sind und zur Perfektion neigen. Sie sind stets aufs Neue bemüht zu zeigen, wie gut sie sind. Nur erhalten sie von Vorgesetzten, Kollegen, ja sogar Familie keinerlei Anerkennung, geschweige denn Lob, sondern werden, warum auch immer, im Gegenteil abgelehnt, ausgegrenzt und gemobbt.  Selbstzweifel kommen auf und damit steigt die Fehlerhäufigkeit. Nach jedem Rückschlag strengen sie sich noch mehr an, powern sich immer mehr aus. Die „Spirale“ beginnt sich immer schneller und schneller zu drehen, bis zum Zusammenbruch.

Das dramatische dabei ist, auf gutes Zureden von Familie, Freunden und auch Ärzten hören sie nicht. Man kommt gar nicht an sie heran. Sie können vor lauter Erschöpfung hilfreiche Ratschläge gar nicht mehr annehmen. Nicht nur das Hören sondern sämtliche Sinne sind ganz offensichtlich stark eingeschränkt. Die ständig kreisenden Gedanken entwickeln sich zu Trampelpfaden im Gehirn. Logisch denken geht gar nicht mehr, es findet im Austausch mit Anderen häufig nur mehr ein Aneinander-Vorbeireden statt. Kein Wunder, wurden sie ja von den Anderen auch über lange Zeit hinweg, bewusst oder unbewusst nicht gehört, nicht wahrgenommen.

Meistens muss erst eine massive Störung (Zusammenbruch) entweder auf emotionaler, mentaler oder körperlicher Ebene oder auch auf allen gemeinsam auftreten, dass die betroffene Person quasi aus der „Tretmühle“ herauskommt. Leider ist es dann oft zu spät, weil zu diesem Zeitpunkt bereits schwere organische Schäden bzw. „unheilbare“ Krankheiten vorliegen.

Meiner Meinung nach treten diese Krankheiten vor allem dann auf, wenn die Betroffenen vorher kein „Ventil“ finden um all diese negativen Einflüsse abzubauen. Aber nicht nur das, fehlgeleitete Aggressionen führen unter Umständen, besonders bei emotional und mental labilen Personen auch zu Suizid oder Amok, weil kein andere Ausweg mehr möglich erscheint bzw. aufgrund des Zustandes der Betroffenen gar nicht mehr wahrgenommen werden kann.

 

Folgende Symptome machen sich Burn-Out-Syndrom bemerkbar

·     Konzentrationsstörungen (nicht mehr "gerade" denken können)

·     Vergesslichkeit

·     Fehleranfälligkeit

·     Kopfschmerzen, die in ihrer Art und Intensität neu sind

·     diffuse Muskelschmerzen

·     Gelenkschmerzen (ohne Schwellung oder Druckschmerz)

·     vergrößerte und oder schmerzhafte Lymphknoten

·     Halsschmerzen

·     leicht erhöhte Temperatur

·     hoher Blutdruck

·     Schweißausbrüche

·     und viele andere Beschwerden, die klinisch und medizinisch gar nicht abgeklärt werden können (Herzinfarkt- und Schlaganfallsymptome, Atembeschwerden etc.).

·     Wut (unterdrückte), Mordlust-Gedanken

·     Depressionen, Panikattacken, Suizidgedanken

·     psychische und physische Lähmungserscheinungen (nicht mehr aus dem Bett aufstehen können, Ausfälle des ZNS)

·     etc. etc. etc.

 

Dem Himmel sei Dank, wenn es nur zu „Nervenzusammenbrüchen“ kommt!

Ist es trotzdem mal soweit, bietet Erste Hilfe zunächst ein länger dauernder Krankenstand mit Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe. Weiters die Abklärung eines Mediziners, sprich Neurologen (im Volksmund: Psychiater). Danach ist unbedingt die fachkundige  Hilfe eines Psychotherapeuten angesagt! Allerdings ist der Weg dorthin oft langwierig und kostenintensiv, was sich in dieser Situation abermals fatal auswirken kann. So konnte ich mir z.B. ein Institut für Psychotherapie (spezialisiert auf burn-out) nicht leisten. Trotz Rückerstattung der Krankenkasse hätte ich immer noch € 70,-/Std. bezahlen müssen und das zumindest 1 bis 2 Mal pro Woche. Wer bitte hat ca. € 600,-- im Monat übrig? Psychosoziale Dienste sowie viele Facharztpraxen sind hoffnungslos überlaufen (woran das wohl liegen mag?). Nach mehreren erfolgslosen Versuchen einen Therapieplatz zu bekommen, überlegte ich ernsthaft, mich vor das nächste Auto oder die U-Bahn zu legen.

Aber es war mir noch nicht bestimmt, mich an diesem grauen, nebelverhangenen Dezembertag 2007 „vom Acker zu machen“.

Und so habe ich doch noch meinen Therapeuten gefunden! Seit knapp 2 Jahren gehe ich auch heute noch regelmäßig zu ihm. Nicht nur zur „Seelenwäsche“ sondern auch zum Plaudern, Coaching (lösungs- und zielorientierte Begleitung von Menschen) und damit oftmals verbundenen Perspektivenwechsel. Und das Wichtigste: Lob, Anerkennung und Zuwendung zu erhalten.

Ich habe „Ventile“ und die so lange vermisste Anerkennung gefunden!

Außerdem habe ich in dieser Therapie Klangschalenmassage als äußerst wohltuend kennen gelernt und das hat mich bewogen, diese selbst zu erlernen und weitere Ausbildungen zu absolvieren.

So bin ich heute in der Lage, entweder REIKI, Klangschalen- oder Stimmgabelanwendungen und ab Ende Jänner 2010 dann auch Fußreflexzonenmassage als therapiebegleitende Maßnahmen zur Entspannung anzubieten.

Gerne können wir auch miteinander singen, was neben Entspannung viel Spaß bringt. Wie ich in meiner wöchentlichen Gesangs-Gruppe festgestellt habe, wird immer sehr viel gelacht, was bekanntlich äußerst gesundheitsfördernd ist.